Wie funktioniert unser Immunsystem?

Ein ausgeglichenes Immunsystem bedeutet, ein gesundes Immunsystem zu haben. Das Immunsystem ist eine Schlüsselkomponente für die menschlichen Gesundheit, wobei seine Hauptfunktion darin besteht den Körpers vor fremden oder schädlichen Zellen, Geweben und verschiedenen Substanzen zu schützen. Wenn das Immunsystem überaktiv ist, kann es erhebliche negative Auswirkungen auf das Immunsystem haben und es aus dem Gleichgewicht bringen.

Autoimmunität kann auftreten, wenn das Immunsystem aus dem Gleichgewicht gerät

wodurch es den Körper nicht mehr richtig schützt, sondern stattdessen auch den Körper angreift, indem es die "eigenen Zellen" für eingedrungene Krankheitserreger hält.

Allergien, zum Beispiel, sind Missinterpretationen des Immunsystems. Es erkennt eigentlich harmlose Partikel (z. B. Pollen) als einen unerwünschten Parasiten und geht dagegen vor.

Zusätzlich zu diesen Beispielen können über Jahre bestehende chronische Entzündungen (Silent Inflammations) ein Grund sein, warum das Immunsystem aus dem Gleichgewicht ist und zu bestimmten Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs führen kann.

Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass das Immunsystem sehr empfindlich auf die Belastungen des normalen, täglichen Lebens reagiert. Anstrengendes Training, Beziehungsprobleme, persönliche Probleme und sogar Veränderungen in der

Ernährung können Störungen und Ungleichgewichte im Immunsystem verursachen, was letztlich die Gesundheit insgesamt beeinträchtigen kann.

Ein gesundes Immunsystem zu haben und zu erhalten ist ein wichtiger Teil den Körper vor Krankheiten zu schützen. Je stärker das Immunsystem ist, desto besser kann es Infektionen oder Verletzung bekämpfen.

Und weil unsere Immunreaktion zur Bekämpfung von Infektionen mit Viren, Bakterien, Hefen und Pilzen oder zur Bekämpfung von Verletzungen so komplex ist, gibt es noch viel darüber zu lernen, warum die Immunreaktion bei manchen Menschen viel ausgeglichener ist als bei anderen.


Wir wollen kein überaktives Immunsystem, denn das würde zu Allergien und Autoimmunität führen. Wir wollen auch kein geschwächtes Immunsystem, denn das würde schnell zu Infektionen führen.


Das Immunsystem

Einfach gesagt gibt es zwei Bereiche in die wir das Immunsystem einteilen können:

  1. Das angeborene (allgemeine) Immunsystem (Innate Immun System)

  2. Das adaptive (spezialisierte) Immunsystem (Adaptive Immun System)

Das angeborene Immunsystem, auch "unspezifisches" Immunsystem bezeichnet, da es auf alle Keime und fremde Substanzen gleich reagiert, gilt als erste Verteidigungslinie gegen das Eindringen von Keimen in den Körper. Es agiert sehr schnell: Bakterien, die beispielsweise durch eine kleine Wunde in die Haut eindringen, werden innerhalb weniger Stunden erkannt und vernichtet. Das angeborene Immunsystem hat jedoch nur begrenzte Möglichkeiten, die Ausbreitung von Keimen zu verhindern.


Die angeborene Abwehr besteht aus:

  • dem Schutz durch Haut und Schleimhäute (alle äusseren und inneren Oberflächen des menschlichen Körpers)

  • dem Schutz durch Abwehrzellen und Eiweisse (sollten Krankheitserreger die Haut oder Schleimhaut überwinden und in den Körper gelangen, setzt das angeborene Immunsystem spezielle Abwehrzellen und Eiweisse ein)

  • Rötungen, Entzündungen, natürliche Killerzellen (Teil der Leukozyten, weissen Blutkörperchen) und Fieber gehören zum angeborenen System. Die Mastzellen sind die wichtigsten Abwehrzellen dieses Bereiches

Wenn das angeborene Immunsystem nicht in der Lage ist, Keime zu zerstören, übernimmt das adaptive Immunsystem diese Aufgabe. Dieses System ist in der Lage, gezielt gegen die Art des Keims vorzugehen, der die ausbrechende Infektion verursacht. Dazu muss es den Keim jedoch erst einmal identifizieren, was dazu führt, dass es viel langsamer reagiert als das angeborene Immunsystem, dafür aber sehr viel genauer. Es hat auch die Fähigkeit und den Vorteil, sich Keime zu merken, so dass das adaptive Immunsystem jedes Mal, wenn es in der Zukunft auf einen bekannten Keim trifft, noch schneller reagieren kann. Dieses "Gedächtnis" ist auch die Schlüsselkomponente dafür, warum man bestimmte Krankheiten nur einmal im Leben bekommen kann, denn danach wird der Körper "immun". Auch hier kann es einige Tage dauern, bis das adaptive Immunsystem reagiert, wenn es zum ersten Mal mit einem Keim in Berührung kommt, aber nach der ersten Begegnung ist der Körper in der Lage, sofort zu reagieren, was dazu führt, dass die zweite Infektion in der Regel nicht einmal bemerkt wird oder zumindest viel weniger schwerwiegend ist.


Zum adaptiven Immunsystem gehören:

  • T-Lymphozyten (T-Helferzellen, entstehen in der Thymusdrüse, Teil der Leukozyten, weissen Blutkörperchen) im Gewebe zwischen den Körperzellen (die T-Zellen erkennen Antigene, also körperfremde Strukturen, wenn sie von körpereigenen Zellen auf ihrer Oberfläche präsentiert werden. Sie sorgen dann dafür, dass die entsprechenden kranken oder veränderten Zellen entfernt werden)

  • B-Lymphozyten (B-Helferzellen, entstehen im Knochenmark, Teil der Leukozyten, weissen Blutkörperchen), ebenfalls im Gewebe zwischen den Körperzellen (produzieren Abwehrstoffe, die sogenannten Antikörper. Diese richten sich jeweils spezifisch gegen ein als körperfremd erkanntes Antigen)

  • Antikörper im Blut und anderen Körperflüssigkeiten

Die beiden Bereiche des Immunsystems bilden zusammen einen umfassenden und gezielten Ansatz zu unserem Schutz.


Fehlfunktionen des Immunsystems

  1. Unteraktive angeborene Immunität (zu passiv): Ein zu passives angeborenes Immunsystem bedeutet, dass bei einer Bedrohung nicht genügend Entzündungshemmende Stoffe, weisse Blutkörperchen oder natürliche Killerzellen reagieren oder zu langsam sind und dem Eindringling oder Krankheitserreger erlaubt wird, schnell tiefer in unseren Körper einzudringen, als er sollte.

  2. Überaktive angeborene Immunität (zu aggressiv): Ein übermässig aggressives angeborenes Immunsystem kann zusätzliche Eosinophile oder Neutrophile oder Entzündungen bei regelmässigen Umwelterfahrungen (wie Pollen von Bäumen) auslösen. Und wenn die Bedrohung vorbei ist oder ein anderer Teil des Immunsystems besser für die Aufgabe geeignet ist, kann es die Reaktion fortsetzen, obwohl die Bedrohung vorbei ist. Denken Sie an das Mastzellaktivierungs-Syndrom. Wir wollen nicht, dass diese Zellen Energie verschwenden oder versehentlich unsere eigenen gesunden Zellen schädigen.

  3. Schlechte Kommunikation zwischen angeborenem und adaptivem Immunsystem (desorganisiert): Eine desorganisierte Immunantwort ist ineffektiv, verwirrend und möglicherweise verschwenderisch. Plasmazytoide dendritische Zellen (pDC) sind der wichtigste Kommunikationskanal zwischen der angeborenen Reaktion und der adaptiven Reaktion. Die pDC sind sozusagen die Kommandanten beider Beriechen. Sie bilden die Brücke zwischen den beiden Bereichen, können aber auch die Reaktionsraten auf in beiden Bereichen erhöhen oder verringern. Wenn die pDCs nicht aktiviert sind oder nicht richtig kommunizieren, kann es zu falschen Antworten oder einer falschen Reihenfolge der Antworten kommen. Beides ist nicht gut.

  4. Unteraktive adaptive Immunität (nicht intelligent genug): Wenn das adaptive Immunsystem nicht intelligent genug reagiert, bedeutet dies dass es nicht recht weiss ob und wann und was es angreifen soll was zur Folge hat, dass die T- und B-Zellen träge werden.

  5. Überaktive adaptive Immunität (zu zerstörerisch): Ein überaktives adaptives Immunsystem kann bedeuten, dass die B- und T-Zellen (Lymphozyten) beginnen, gesunde Zellen anzugreifen und/oder das Th1/Th2-Gleichgewicht (die T-Zellen können in Th1- und Th2 unterschieden werden) sich in Richtung Th2 verschiebt. Ein weiteres Problem besteht darin, dass es immer wieder die sehr aggressiven CD8-Interferone ausschicken, die eigentlich nicht benötigt werden, da der Kampf bereits vorbei ist.

Das Th1/Th2-Gleichgewicht



Th1-Zellen bilden die erste Welle der Immunantwort, die Viren und Bakterien abtötet.

Th2-Zellen sind an der chronischen Entzündung beteiligt.

Die Th2-Immunzellen treten in Aktion, wenn wir Schwierigkeiten haben, Infektionen loszuwerden. Dies kann passieren, wenn der Körper neben der Infektion mit anderen Problemen zu kämpfen hat. Probleme wie Hefen, Schimmel, Bakterienfehlbesiedlungen, chemische Gifte, Schwermetalle oder Stress. Sie verursachen erhebliche, weit verbreitete Entzündungen im Körper.

Es gibt dann eine Verschiebung in Richtung Th2.

Wenn die Th2-Zellen überaktiv werden, werden die Th1-Zellen unterdrückt.

Wir sind nicht mehr in der Lage Viren wie das Epstein-Barr-Virus, Borreliose oder Candida zu bekämpfen.

Darüber hinaus kann es zu einer erhöhten Mastzellenreaktion kommen.


Chronische Erkrankungen/Stille Entzündungen.

Was ist, wenn Sie eine chronische Erkrankung wie ein Leaky Gut (undichter Darm) haben? (ein Leaky Gut ist eine Verdauungsstörung, bei der Bakterien und Giftstoffe durch die Darmwand "sickern" können). Das Th2-System wird im Grunde in den "Overdrive" getrieben, was dazu führt, dass Sie eine übermässige Menge an Antikörpern bilden. Immer, wenn es zu diesem Anstieg der Antikörperreaktion kommt, werden die Immunzellen noch aktiver. Und da die beiden T-Helfer-Systeme wie eine Wippe funktionieren, wird diese Überaktivität das Th1-System unterdrücken.

Denken Sie daran, dass chronische Entzündungen systemisch sind und daher die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sogar eine Entzündung des Gehirns verursachen können, die dann die Funktion des Vagusnervs verringern und unterdrücken kann. Wenn dies geschieht, kann es Ihre Gehirnfunktion beeinträchtigen. Im Grunde genommen sind Sie auf dem besten Weg, SIBO, Candida und verschiedene andere Darminfektionen zu bekommen, die normalerweise nicht vorhanden wären. Was genau treibt also all dieses Chaos in unserem Körpersystem an? Die Realität sieht so aus, dass die Dysfunktion des Immunsystems durch mehrere Faktoren ausgelöst wird, wie z. B. eine sehr kohlenhydratlastige, eiwessarme Ernährung mit viel Zucker und verarbeiteten Lebensmitteln, Stress, Schlafmangel, Übertraining, undichter Darm, Darmdysbiose und Umweltgifte. Diese Faktoren unterdrücken häufig die Immunfunktion, was chronischen Infektionen Tür und Tor öffnet. Der Schlüssel zur Verbesserung der Immunfunktion liegt also nicht in einem magischen, einzelnen Immunpräparat, sondern in einem ganzheitlichen Ansatz, der alle Ebenen miteinschliesst.


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Referenzen:

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https://www.enzolifesciences.com/science-center/technotes/2021/june/%20what-

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https://reader.elsevier.com/reader/sd/pii/S1567724913002390?token=9EFB193C2E47EF9E4AA5A307536169E673A6B07912705263D2CFEEE798788583C70C5A83CC624844BE36518B762CE269&originRegion=eu-west-1&originCreation=20220618153458


Gause, William C. ; The Th2 Type Immune Response in Health and Disease


https://njms.rutgers.edu/research/CII/index.php