Oxalat, Salicylat, Lectin und FODMAPs

Wenn es um Lebensmittelunverträglichkeiten geht, denken die meisten Menschen an Gluten-, Laktose- oder Fruktoseintoleranz, vielleicht noch an Probleme mit Histamin. Aber es gibt auch Unverträglichkeiten gegenüber Oxalaten, Salicylaten, Lectinen und FODMAPs. Oftmals gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Unverträglichkeiten, denn Oxalate, Salicylate und Lectine triggern die Mastzellen, was zur Ausschüttung von Histamin führt.


Oxalat

Oxalate sind in vielen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. So z.B. in:

  • Obst

  • Gemüse

  • Körner

  • Bohnen

  • Nüsse

  • Samen

Pflanzen verwenden sie als Abwehrmechanismus, um Tiere davon abzuhalten, sie zu fressen. Unter dem Mikroskop sehen Oxalate wie winzige Rasierklingen aus. Die verschiedenen Pflanzen enthalten unterschiedliche Mengen an Oxalaten. Einige Pflanzen haben einen hohen Oxalatgehalt, andere einen niedrigen und wieder andere einen mittleren Oxalatgehalt.

Auch andere Arten von Organismen wie z.B. Hefe- (Candida) und Schimmelpilze bilden Oxalate. Wuchern diese in unserem Körper, erhöht dies die Bildung von Oxalaten. Wir selber bilden auch Oxalate in unserem eigenen Körper. Es gibt einige genetische Veranlagungen die dazu führen können, dass wir mehr Oxalate als normal produzieren. Dies kann das Risiko von Nierensteinen stark erhöhen. Auch ein durchlässiger Darm kann zu Oxalatproblemen führen. Überschüssiges Oxalat lagert sich überall im Körper ab (Gewebe, Organe, Gelenke, Knochen, selbst im Gehirn, etc.)


Das bekannteste Gesundheitsproblem mit Oxalaten sind Nierensteine. Aber sie verursachen unzählige andere Gesundheitsprobleme, die nicht wirklich beachtet werden. Dazu gehören

  • Gelenkschmerzen

  • Muskelschmerzen (z. B. Fibromyalgie)

  • Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, interstitielle Zystitis (oft als Harnwegsinfektion fehldiagnostiziert)

  • Sandiger Stuhl, brennender Stuhlgang

  • Unruhe

  • Angstzustände

  • Asthma

  • Müdigkeit

  • Entzündung des Gehirns

  • Probleme beim Verzehr von schwefelhaltigen Lebensmitteln wie Brokkoli und Blumenkohl

  • Osteoporose

  • Vulvodynie

  • Autismusähnliche Symptome

  • Brustkrebs

  • Hypothyreose

Oxalate regen auch die Mastzellen an, mehr Entzündungen zu produzieren. Und das bedeutet auch einen höheren Histaminspiegel.

Zu viele Oxalate können zu Problemen mit Histamin und Mastzellen führen. Sie können auch zu einer Salicylatunverträglichkeit beitragen.

Oxalate verbrauchen viele Nährstoffe im Körper. Sie binden sich an Kalzium und Magnesium und verbrauchen Bicarbonat und Sulfat. Sulfat braucht es auch um Salicylate im Körper zu entgiften. Ist das Oxalat erhöht, fehlt es an Sulfat für die Entgiftung von Salicylaten. Es kann zusätzlich eine Salicylatunverträglichkeit entstehen.


Oxalate sollten nie auf eigene Faust einfach so aus der Ernährung gestrichen werden. Es ist sehr wichtig, Oxalate nicht auf kaltem Wege zu reduzieren. Dies kann uns noch mehr krank machen. Kommt plötzlich kein Oxalat mehr aus der Ernährung, ergreift der Körper die Chance und entlässt zu viel Oxalat auf einmal aus dem Gewebe ins Blut. Dies führt zu einem Oxalat-Dumping und kann sehr unangenehm sein. Es braucht seine Zeit bis überschüssiges Oxalat aus dem Körper ganz draussen ist. Der Körper macht dies meistens in Schüben.


Was sie zur Unterstützung tun können ist:

  • Vitamin B6 bei niedrigen Werten, hilft Oxalat umzuwandeln

  • Oxalatbinder wie Magnesiumcitrat (wenn vertragen), Magnesiummalat, Biotin, Kalzium (wenn die Werte nicht zu hoch sind)

Lebensmittel mit sehr hohem Oxalatgehalt:

  • Mangold

  • Spinat

  • Rhabarber

  • Süsskartoffeln

  • Randen

  • Schokolade

  • Mandeln

  • Kochbananen


Salicylat

Salicylate sind eine breite Klasse von organischen Chemikalien, die als Teile des Abwehrsystems natürlich in Pflanzen vorkommen können oder für nützliche Zwecke wie Reinigungsmittel, Kosmetika, Körperpflegeprodukte, Zahnpasta und Medikamente künstlich hergestellt werden. Aspirin ist Acetylsalicylsäure, eine Art von Salicylat, das in einem Labor synthetisch für medizinische Zwecke hergestellt wird. Dieses wirksame Medikament zur Schmerzlinderung wurde aus Weidenrinde entdeckt, wo die Chemikalie als Teil des Abwehrsystems des Baumes auf natürliche Weise produziert wird. Andere Pflanzen wie Gewürze, Obst und Gemüse enthalten geringere Mengen an Salicylaten, auf die Menschen reagieren können.

Auch ätherische Öle können einen sehr hohen Gehalt an Salicylaten aufweisen! Schliesslich werden die Öle aus Pflanzen gewonnen. Und ätherische Öle sind hochkonzentriert. Pfefferminze, Wintergrün, Basilikum und Rosmarin enthalten besonders viele Salicylate. Ihre ätherischen Öle enthalten also auch viele Salicylate.


Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass Salicylate entzündungshemmende Eigenschaften haben. Das ist es, was diese Lebensmittel und ätherischen Öle im Allgemeinen gut für uns macht. Und Salicylate sind es, die Aspirin zu einem so starken Schmerzmittel machen.


Salicylate haben noch viele andere starke Vorteile. Deshalb sollten wir auf keinen Fall auf sie verzichten, wenn wir keine Probleme mit Salicylaten haben! Sie können für viele Menschen sehr hilfreich sein.


Salicylate sind nur dann ein Problem, wenn wir eine Salicylatunverträglichkeit entwickeln. Dazu kann auch eine Aspirin-Unverträglichkeit gehören. Wenn wir eine Aspirinallergie haben (und nicht auf die Farb- oder Zusatzstoffe reagieren), sind wir möglicherweise salicylatempfindlich.


Salicylatintoleranz bedeutet, dass wir eine normale Menge an Salicylaten in Lebensmitteln nicht vertragen. Wir können auch keine Nahrungsergänzungsmittel mit höheren Salicylatgehalten einnehmen, ohne Symptome zu entwickeln.


Wie können wir also feststellen, ob wir eine Salicylatintoleranz haben? Im nächsten Abschnitt gehe ich darauf ein, worauf wir achten sollten.


Symptome einer Salicylatintoleranz:

  • Aspirin-Allergie

  • Ohrgeräusche (Tinnitus)

  • Akne

  • Nasenverstopfung

  • Nasennebenhöhleninfektion und -entzündung

  • Polypen in der Nase oder den Nebenhöhlen

  • Chronischer Husten

  • Asthma

  • ADHS und Hyperaktivität

  • Anaphylaxie

  • Juckende Haut, Nesselsucht

  • Hautausschläge

  • Unterleibsschmerzen

  • Dystonie - Muskelkrämpfe/Tics

  • Blähungen

  • Durchfall

  • Entzündungen des Magen-Darm-Trakts, einschliesslich Kolitis

  • Anschwellen des Gewebes

  • Müdigkeit

Bei Menschen mit Salicylatintoleranz verschlimmern sich diese Symptome, wenn sie histaminarme, salicylatreiche Lebensmittel essen oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit hohem Salicylatgehalt nehmen, auch wenn diese gut für die Mastzellen sind.


Lebensmittel sehr hoch in Salicylat:

  • Aprikosen

  • Beeren

  • Kirschen

  • Brokkoli

  • Chicoréé

  • Paprika

  • Spinat

  • Süsskartoffel

  • Mandeln (blanchiert oder mit Schale)

  • Paranüsse

  • Pinienkerne

  • Pistazien

  • Sesamkörner

  • Kokosnus

  • Alle Gewürze ausser Safran, Kardamom

  • Minze

  • Aloe Vera

  • Mais


Lektine

Es gibt verschiedene Arten von Lektinen (Pflanzenabwehrstoffe), und einige sind beim Mastzellaktivierungssyndrom problematischer als andere. Lektine sind in einigen Pflanzen in sehr hohen Konzentrationen und in anderen Pflanzen in niedrigeren Konzentrationen enthalten. Einige Lektine, wie die in Getreide, Kartoffeln, Tomaten, Kürbissen und Hülsenfrüchten, können die Mastzellen beeinträchtigen. Einige dieser Lektine sind berüchtigt dafür, dass sie Mastzellenreaktionen und erhöhte Histaminwerte auslösen.


Die Symptome sind ähnlich wie bei Problemen mit Oxalat (siehe oben).


Lebensmittel mit hohem Lektin:

  • Reis

  • Mais

  • Hafer

  • Bohnen

  • Linsen

  • Erbsen

  • Soja

  • Erdnüsse

  • Kürbisse


FODMAPs

FODMAP-Intoleranz ist eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Arten von Kohlenhydraten, die Gären und Blähungen verursachen. Dies kann durch ein Ungleichgewicht der Bakterien im Darm verursacht werden. Sie kann auch auftreten, wenn dem Darm Enzyme fehlen.

Wenn Menschen mit FODMAP-Intoleranz bestimmte Lebensmittel essen, kann es zu Blähungen und Durchfall oder Verstopfung kommen.


Mehr Informationen dazu finden Sie hier.


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Referenzen:


Barbosa-Lorenzi, V., Buranello, P., Roque-Barreira, M., Jamur, M., Oliver, C., & Pereira-da-Silva, G. (2011). Das Lektin ArtinM bindet an Mastzellen und induziert Zellaktivierung und Mediatorfreisetzung. Biochemical and Biophysical Research Communications, 318-324.


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https://utopia.de/ratgeber/fodmap-diaet-fodmaps-liste/


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