• Annic Scholer

Allgemeines Anpassungssyndrom nach Hans Selye (1936)

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Hans Selye war Endokrinologe und Pionier auf dem Gebiet der Stressforschung.

Ist ein Organismus längere Zeit Stressoren (u. a. Leistungsdruck, Lärm, Hitze, Hunger, psychische Belastungen) ausgesetzt, reagiert er darauf. Kurzfristig erhöht er die Widerstandskraft, langfristig kommt es aber zu körperlichen Schäden bis hin zum Tod.

Hans Selye unterscheidet dabei drei Stadien:

  1. Alarmreaktion: Der Körper schüttet als Antwort auf den Stressor kurzfristig die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Diese lassen den Blutdruck und den Puls steigen. Gleichzeitig schüttet die Hypophyse vermehrt ACTH ( adrenocorticotropes Hormon - steuert die Aktivität der Nebenniere) aus, welches wiederum auf die Nebennieren einwirkt und diese anregt. Die Nebenniere gibt vermehrt Glukokortikoide* wie z.B. Kortisol (langfristiges Stresshormon) ab. Kortisol hemmt die Proteinsynthese und fördert den Abbau der Proteine in Knochen, Muskeln, und im Gewebe. Durch den Proteinabbau werden vermehrt Aminosäuren ins Blut abgegeben, die wiederum in der Leber (Glykogenspeicher) zur Herstellung von Glukose eingesetzt werden (Hungerstoffwechsel). Die Folge ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Zusätzlich wird durch das erhöhte Kortisol und die Hemmung der Proteinsynthese das Immunsystem unterdrückt (entzündungshemmende Wirkung, allerdings nicht auf Dauer). Der Organismus kann so in einen Zustand von mehr Leistungsbereitschaft und Energie kommen und die Konzentration steigt.

  2. Widerstandsstadium: Nach der kurzfristigen Alarmreaktion folgt die Widerstandsphase. Diese Phase dient der Beseitigung der Stressoren, die, die akute Stressreaktion im Organismus ausgelöst haben und somit der Reduktion des Stressniveaus wie auch dem Abbau der Stresshormone, damit der Körper wieder in den Normalzustand zurückkehren kann. Diese Phase kann aber nicht auf Dauer aufrechterhalten werden. Nehmen die Stressoren nicht ab kommt es zur Ausschüttung von STH** (Somatotropin) und Mineralokortikoiden* (z.B. Aldosteron), was Störungen im Mineralstoffhaushalt, Blutzucker-schwankungen, Entzündungen, u.v.m., zur Folge haben kann.

  3. Erschöpfungsstadium: Ist der Organismus dauerhaft Stressoren ausgesetzt kommt es mittelfristig bis langfristig zu Schädigungen, da sich der Organismus ständig in einer Alarmreaktion befindet und der Organismus sich davon nur sehr langsam erholt.

Mittelfristige Folgen:

  • hormonelle Dysbalance

  • Stoffwechselstörungen

  • Blutzuckerprobleme

  • kognitive Störungen (verzerrte Wahrnehmungen und Denkweisen)

  • Konzentrationsprobleme

  • Leistungsminderung, Müdigkeit

  • Muskelschwund

  • PMS

  • etc.

Langfristige Folgen:

  • Schrumpfung der Thymusdrüse und der Lymphdrüsen

  • allgemeine Beeinträchtigung des Wohlbefindens

  • psychische und psychosomatische Störungen

  • Magend-Darm-Krankheiten

  • Schlafstörungen

  • chron. Erschöpfung

  • Depressionen, Burn-out

  • Hautkrankheiten

  • Bluthochdruck

  • Herz-Kreislauf-Krankheiten bis hin zum Tod (vgl. Faltermaier, 2005)

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* Glukokortikoide und Mineralokortikoide sind beides Steroidhormnone, die in der Nebennierenrinde hergestellt werden. Die Glukokortikoide beeinflussen den Glukosestoffwechsel und die Mineralokortikoide beeinflussen den Elektrolythaushalt, z.B. Natrium/Kalium.

Annic Scholer

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