Reflexintegration nach INPP

Was ist INPP?

INPP steht für Institue for Neurophysiological Psychology. Es wurde im Jahre 1975 von Dr. Peter Blythe gegründet. Die INPP-Methode ist ein von ihm und seiner Frau Sally Goddard-Blythe entwickeltes Anamnese-, Screening- und Übungsprogramm. 

Mit ihm kann eine neuromotorische Unreife (unreifes Nervensystem auf Grund von verbleibenden frühkindlichen Reflexen) als begleitende Ursache für Verhaltensauffälligkeiten, Lern- und Leistungsproblemen, Ängsten, Schlafstörungen und vielem mehr aufgedeckt werden. Mithilfe eines zu Hause durchgeführten und regelmässig von der Fachperson überprüften Förderprogramms wird das Kind neuromotorisch unterstützt und es werden die Voraussetzungen für altersgerechtes Lernen und Verhalten verbessert.

Die neuromotorische Unreife kann, wenn nicht aufgedeckt, bis ins erwachsene Alter fortbestehen und dort u.a. zu Angst-, Zwangs-, Panik- und anderen Störungen und Symptomen führen, da sie die Entwicklung der weiteren (erwachsenen) Reflexe behindert.

Was sind Reflexe?

Reflexe sind unwillkürlich und automatisch ablaufende Antworten auf bestimmte Reize (Sinneseindrücke wie Sehen, Hören oder Fühlen), die vorab im Gehirn entsprechend verarbeitet wurden. Ihren neurologischen Ursprung findet man im Kleinhirn und Hirnstamm.

 

Reflexe regulieren u.a. folgendes:

  • Schreckreaktion

  • Die Steuerung von Muskeln -> Kontraktion 

  • Die Koordinierung von Bewegungen -> Feinmotorik

  • Gleichgewichtssinn

  • Die Unterscheidung von Rechts und Links

  • Orientierungssinn

  • Räumliches Sehen

  • Die Wahrnehmung von Berührung

Was sind frühkindliche Reflexe?

Jedes Kind wird mit einer gewissen Anzahl frühkindlicher (primitiver) Reflexe geboren, die innerhalb des ersten Lebensjahres abgebaut bzw. gehemmt oder in so genannte posturale Reflexe transformiert werden sollten. Diese sicher dem Kind nach der Geburt u.a. das Überleben und ermöglichen ihm, sich in allen möglichen Bewegungsmustern und Körperpositionen mühelos und ohne darüber nachzudenken zu bewegen.

Läuft dieser Entwicklungsprozess aufgrund vorgeburtlicher, geburtlicher oder nachgeburtlicher Störungen nicht ordnungsgemäss ab, können gewisse Restreaktionen von einigen der primitiven Reflexe im Körper "aktiv" (persistierend) bleiben und die nachfolgende Entwicklung der Bewegung, der Augenmuskulatur, der Augen-Handkoordination, der Lateralisierung und der Wahrnehmungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Das Nervensystem bleibt unreif. Diesen Zustand nennen wir "neuromotorische Unreife".

Willentliche Reaktionen können so vom Körper nicht richtig ausgeführt und weitere (erwachsene) Reflexe nicht richtig ausbildet werden.

Ein davon betroffenes Kind braucht zur Ausführung alltäglicher Aufgaben oft viel mehr Konzentration und Energie als andere und kann sein volles Potential nicht ausschöpfen und entfalten, obwohl es allem Anschein nach "normal" ist. Daraus entwickeln sich dann häufig Verhaltensprobleme wie Hyperaktivität und Ängste, die bis ins erwachsene Alter bestehen bleiben und sich je nach Umstände noch verstärken.

Übersicht Reflexe

Die wichtigsten frühkindlichen Reflexe erklärt

Bewegung als Ausdruck - Bewegung als Basis zum Lernen

Bewegung ist die wichtigste Ausdrucksweise des Kindes im ersten Lebensjahr. Ein Kind lernt mit seinem Körper – dieser ist sein Medium und bildet die Basis jegliches Lernens. Lernen beginnt bereits zum Zeitpunkt der Empfängnis und weiterführend im Mutterleib. Ungeborene trainieren ihre Reflexe im Mutterleib – deshalb ist es bereits von grosser Bedeutung, wie die Schwangerschaft einer Frau verläuft. Toxine wie z.B. Alkohol oder Nikotin, Infekte und Krankheiten aber auch Stress können das Ungeborene in seiner Entwicklung hemmen. Die Geburt ist ein weiterer entscheidender Faktor. Sind Schmerzmittel nötig, ein Kaiserschnitt, PDA, sind die Wehen verlängert, Sturzgeburt, etc. All dies ist entscheidend wie gut oder eben weniger gut das Neugeborene ins Leben startet. 

Wie zeigen sich persistierende frühkindliche Reflexe im erwachsenen Alter?

Sind erwachsene Reflexe gestört muss das Gehirn eigentlich automatisch ablaufende Prozesse immer ausgleichen.

Der betroffene Mensch muss dann z.B. plötzlich überlegen, wo rechts und links ist, es kommt nicht einfach automatisch. Dies erfordert extra Energie und das Gehirn des Betroffenen läuft die ganze Zeit am Anschlag. Menschen mit gestörten oder unreifen erwachsenen Reflexen neigen zu hormonellen Problemen, da die Nebenniere ständig damit beschäftig ist Stresshormone auszuschütten, damit die Person leistungsfähig bleibt, sie muss sozusagen das Nervensystem kompensieren. Früher oder später erschöpft diese.

Dazu kommt, dass der Mensch fehlende oder gestörte erwachsene Reflexe mit alternativen Nervenverknüpfungen kompensiert, die wiederum durch Umstellungen im Hormonsystem (Pubertät, Schwangerschaft, Erschöfpung, Stress, Wechseljahre) teilweise zerstört werden. Dann werden gestörte oder fehlende erwachsene Reflexe oft erstmals bemerkt. Handlungen, die vorher selbstverständlich waren, können plötzlich nur noch unter grossem Kraftaufwand oder gar nicht mehr ausgeführt werden (z.B. verliert man viel schneller das Gleichgewicht, hat Wortfindungsstörungen, etc.)

Da erwachsene Menschen oft so daran gewöhnt sind fehlende oder gestörte erwachsene Reflexe zu kompensieren, bemerken sie das Problem nicht oder sie gehen davon aus, dass manche Dinge bei ihnen einfach „so sind“ (ich hatte schon immer Probleme mit Lesen oder konnte nie einen Ball fangen, etc.). 

 

Auswirkungen persistierender frühkindlicher Reflexe und fehlender oder gestörter erwachsenere Reflexe bei Kindern und Erwachsenen können sein - oder - für wen ist INPP geeignet? 

  • Probleme beim Umgang mit Stresssituationen. Da Nervensystem hat Mühe sich nach selbst kleinen Stresssituationen wieder herunter zu regulieren. Diese Menschen bleiben oft stunden oder tage lang "gestresst" oder unter "Strom"

  • Adrenalindominanz

  • Überforderung bei Multitasking

  • Chronische Erschöpfung, Burn-Out, erhöhtes Schlafbedürfnis

  • Hyperaktivität 

  • Konzentrationsstörungen 

  • Schwaches Immunsystem, ständig krank 

  • Ungeschickt sein -> man lässt oft Sachen fallen/schlägt sich irgend ein Körperteil ständig an/stolpert/kann keinen Ball fangen/kann nicht oder erschwertes Fahrradfahren

  • Vergesslichkeit

  • Schwindel

  • Gestörter Gleichgewichtssinn

  • Schwacher Orientierungssinn

  • Seh- und Hörstörungen

  • Meiden von grossen Menschenmengen/Berührung

  • Schwierigkeiten rechts und links zu unterscheiden/zu lesen/die Uhr zu lesen

  • Koordinationsprobleme

  • Probleme Bewegungen spiegelverkehrt zu kopieren

  • Probleme beim Einhalten von Reihenfolgen

  • Probleme beim Lernen/Auswendiglernen

  • Wortfindungenstörungen/Probleme beim Sprechen und Lesen bis hin zur Legasthenie/Probleme beim Rechnen

  • Schwierigkeiten mit der Temperaturregulierung

  • Gestörtes sexuelles Empfinden -> Überempfindlichkeit oder Taubheit der Genitalien/Berührungsempfindlichkeit

  • Gestörters sexuelles Verhalten

  • Bindungsprobleme/gestörtes Bindungsverhalten 

  • Muskuläre Probleme

  • Depressionen

  • Ängste/Panik

  • Überforderung -> man versucht sich oft unbewusst vor Situationen zu schützen die "Stress" bedeuten.

  • Sozialer Rückzug

  • Angst vor Prüfungen

Was erwartet Sie?

Das INPP bietet ein tägliches Programm mit Bewegungsübungen, die den natürlichen Bewegungsmustern im ersten Lebensjahr nachempfunden sind.

Die Übungen verbessern Gleichgewicht, Haltung, Koordination und die Kontrolle der Augenmotorik und verbessern so die Entwicklung des Kindes und/oder die Symptomatik des Erwachsenen.

Das Programm erfordert 5 -10 Minuten tägliche Übung.

Übungszeit ca. 1- ½ Jahre bei Kindern. Bei Erwachsenen zwischen ca. 6 Monaten und 1 Jahr.

 

Vorgehensweise

1. Erstgespräch buchen

Buchen Sie online über die Website einen telefonischen Termin fürs Erstgespräch. Sollten Sie bereits bei mir in der Regulationstherapie sein, ist dies nicht nötig. 

In einem Erstgespräch erkläre ich die INPP Methode ausführlich und wir besprechen Ihre aktuellen Probleme oder die Ihres Kindes seine Entwicklungsgeschichte und die Eignung für das INPP Programm.

2. Laden Sie nach dem Erstgespräch den Fragebogen (Kind oder Erwachsener) herunter. 

Sollten Sie dort mehr als 8 fett gedruckte Fragen mit JA beantwortet haben, so kann von einer neumotorischen Unreife ausgegangen werden. Weniger wie 8 fett gedruckte Fragen schliessen eine neuromotorische Unreifen nicht aus. 

3. Anamnesegespräch buchen
Buchen Sie ein Anamnesegespräch in der Praxis online über die Website
.

Bringen Sie den Fragebogen zum Anamnesegespärch, sowie alle medizinischen Unterlagen (Diagnosen, Spitalaufenthalte, Mutter-Kind-Pass falls vorhanden, etc. mit). Wir besprechen den Fragebogen und ich erkläre Ihnen da weitere vorgehen

4. Termin zur Überprüfung des Entwicklungsstandes (Screening) buchen.
Testung: Grob- Feinmotorik, Gleichgewicht, frühkindliche Reflexe und Halte- und Stellreaktionen, Augenmotorik, visuelle Wahrnehmungsfunktionen und ggfls. Überprüfung der auditiven Wahrnehmung (Dauer ca. 2 Stunden).

5. Termin für die Besprechung der Testergebnisse und Übungsvergabe buchen.
Sie erhalten einen ausführlichen Bericht über die Ergebnisse der Überprüfung und die Übungsvergabe für zu Hause.

6. Wiedervorstellungstermine alle 6-8 Wochen buchen
Fortschritte werden überprüft und das Übungsprogramm angepasst.

Die Gesamtkosten für das 1-1.5-jährige Programm belaufen sich auf CHF 1800.-. Leider wird dies von der Krankenkasse nicht übernommen. Genaue Details zu den Kosten der einzelnen Termine finden Sie bei den Kosten.

Mehr dazu finden Sie unter INPP Österreich/Schweiz oder INPP